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<title>Phin phia</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Phin phia</span></h1>
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<p><b>Phin phia</b>, auch <i>pin pia</i> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Thail%C3%A4ndische_Sprache" title="Thailändische Sprache">thailändisch</a></span> <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r184662313">
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</style><span lang="th-Thai" class="Thai" style="font-style:normal">พิณเพียะ</span>), ist eine zwei- bis fünfsaitige Stab<a href="Zither" title="Zither">zither</a> in <a href="Nordthailand" title="Nordthailand">Nordthailand</a>, deren <a href="Resonanzk%C3%B6rper" title="Resonanzkörper">Resonator</a> aus einer halben <a href="Kokosnuss" class="mw-redirect" title="Kokosnuss">Kokosnuss</a> besteht. Die Form und Spielweise dieses <a href="Zupfinstrument" title="Zupfinstrument">Zupfinstruments</a> und der heute praktisch verschwundenen einsaitigen Stabzither <i>phin nam tao</i> mit einem Resonator aus einer halben <a href="Kalebasse" title="Kalebasse">Kalebasse</a> gehen wahrscheinlich auf einen zu den <i><a href="Vina" title="Vina">vina</a></i> gehörenden Vorläufer in <a href="Indien" title="Indien">Indien</a> zurück, der sich zusammen mit anderen Elementen der indischen Kultur im 1. Jahrtausend in Südostasien verbreitete. Die zur Kultur des ehemaligen Königreichs <a href="Lan_Na" title="Lan Na">Lanna</a> gehörende <i>phin phia</i> wurde, bis sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts selten geworden war, nur von Männern solistisch und zur Gesangsbegleitung im privaten Rahmen gespielt. Junge Männer sangen mit der <i>phin phia</i> der Braut abends ein Ständchen. Seit der Jahrtausendwende erlebt die sehr leise klingende <i>phin phia</i> in einer durch Mikrophonverstärkung oder elektromagnetischen <a href="Tonabnehmer" title="Tonabnehmer">Tonabnehmer</a> veränderten Spielweise in einem Ensemble eine nostalgische Wiederbelebung.
</p><p>Das von indischen Sprachen abgeleitete Wort <i>phin</i> ist auf die bekanntere, in Nordostthailand und <a href="Laos" title="Laos">Laos</a> in der Popularmusik gespielte Langhalslaute <i><a href="Phin" title="Phin">phin</a></i> übergegangen.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herkunft_und_Verbreitung">Herkunft und Verbreitung</h2></div>

<p>Die Silbe <i>phin</i> geht auf <a href="Sanskrit" title="Sanskrit">Sanskrit</a> und <a href="Pali" title="Pali">Pali</a> <i>bin</i> und <i>vina</i> zurück. In den <a href="Veda" title="Veda">vedischen</a> Texten des 1. Jahrtausends v. Chr. stand <i>vina</i> allgemein für „Saiteninstrument“, worunter in mehreren Beschreibungen in den <a href="Brahmanas" title="Brahmanas">Brahmanas</a> Bogen<a href="Harfe" title="Harfe">harfen</a> gemeint waren. Mythologische <a href="Gandharva" title="Gandharva">Gandharvas</a> und andere himmlische Wesen sind Bogenharfe spielend um die Zeitenwende auf Reliefs an <a href="Buddhismus" title="Buddhismus">buddhistischen</a> Kultbauten in Indien zu sehen. Die ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. auf indischen Reliefs auftauchenden Bogenharfen haben ihren Ursprung in der <a href="Altes_%C3%84gypten" title="Altes Ägypten">altägyptischen</a> <i>bin</i> und in <a href="Mesopotamien" title="Mesopotamien">Mesopotamien</a>. <i>Bin</i> blieb im Namen der <a href="Kambodscha" title="Kambodscha">kambodschanischen</a> Bogenharfe <i>pinn</i> erhalten. Diese und alle anderen Harfen sind in Asien bis auf einige randständige Vorkommen und mit der <i><a href="Saung_gauk" title="Saung gauk">saung gauk</a></i> in <a href="Myanmar" title="Myanmar">Myanmar</a> als der bedeutendsten Ausnahme verschwunden.
</p><p>Ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. sind auf Tempelreliefs unterschiedliche Stabzithern und Lauteninstrumente abgebildet, die teilweise bis heute in der <a href="Indische_Musik" title="Indische Musik">indischen Musik</a> gespielt werden. Dafür waren um diese Zeit die Bogenharfen weitgehend aus Indien verschwunden.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Viele dieser Instrumententypen haben sich von Indien nach Osten ausgebreitet. <i>Vina</i> ist der in Südindien gebräuchliche Name für Stabzithern und Lauteninstrumente, <i>bin</i> (<i>bina</i>) ist in Nordindien üblich. <i><a href="Bin-baja" title="Bin-baja">Bin-baja</a></i> heißt die letzte indische Bogenharfe, die heute noch in einer ländlichen Region vorkommt. Der im 12. Jahrhundert erstmals auftauchende Name <i><a href="Kinnari_vina" title="Kinnari vina">kinnari vina</a></i> verweist auf die Beziehung zur himmlischen Sphäre: <a href="Kinnari" title="Kinnari">Kinnaras</a> sind niedere Gottheiten in der indischen Mythologie. Das älteste bekannte Relief in Indien eines Musikers mit Stabzither (Felsrelief „Herabkunft der Ganga“ in <a href="Mamallapuram" title="Mamallapuram">Mamallapuram</a>) zeigt einen Kinnara, der sein Instrument in derselben Spielhaltung wie bei der <i>phin phia</i> schräg vor dem Oberkörper hält.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <i>Ekatantri vina</i> war dem Namen nach eine einsaitige Stab- oder Röhrenzither (entsprechend <i><a href="Ektara_(Lauteninstrument)" title="Ektara (Lauteninstrument)">ektara</a></i>, eine einsaitige Laute). Das thailändische Wort <i>phin</i> ist einer von vielen Belegen für die frühe Ausbreitung der indischen Musik nach Südostasien.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die <i>phin nam tao</i> und die <i>phin phia</i> stammen nicht von der zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert sichtbar werdenden Form etwa der <i>ekatantri vina</i> und der heutigen Spielhaltung der indischen Stabzithern ab, sondern von einer Spielhaltung, die vor dem 9. Jahrhundert üblich war und später nur noch selten abgebildet ist. Die heute in Nordindien gespielte <i>Rudra vina</i> hält der sitzende Spieler diagonal vor seinen Oberkörper, wobei der obere von nunmehr zwei Kalebassen-Resonatoren auf der linken Schulter aufliegt. Die Spielhaltung der thailändischen Stabzithern entspricht dagegen den älteren indischen Abbildungen von Stabzithern, die aus literarischen Quellen als <i>alapini vina</i> bekannt sind. Eine solche <i>alapini vina</i> und ihre Spielweise beschreibt Sarngadeva im 13. Jahrhundert in seiner Musiktheorie <i>Sangitaratnakara</i>.<sup id="cite_ref-Schwörer-Kohl_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-Schwörer-Kohl-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hierbei hält der dargestellte Musiker im Stehen sein Instrument vor dem Oberkörper schräg nach unten und der Resonator befindet sich links oben vor der Brust. Das vermutlich einzige indische Saiteninstrument, das in der Tradition der altindischen <i>alapini vina</i> steht, ist die <i><a href="Tuila" title="Tuila">tuila</a>,</i> die einzig in einigen ländlichen Regionen des Bundesstaates <a href="Odisha" title="Odisha">Odisha</a> vorkommt. Nur die frühe <i>alapini vina</i> gelangte nach Südostasien, nicht jedoch die spätere, wesentlich verfeinerte <i>Rudra vina</i>.
</p><p>Frühe Hinweise auf Stabzithern in Südostasien geben Reliefs am <a href="Borobudur" title="Borobudur">Borobudur</a> (8./9. Jahrhundert) in Zentraljava. In Kambodscha kommen Bogenharfen, Stabzithern und Lauteninstrumente auf einigen Reliefs am <a href="Bayon" title="Bayon">Bayon</a> (Anfang 13. Jahrhundert) vor. Die kambodschanische Bogenharfe ist verschwunden, ihr Name <i>pinn</i> blieb als Bezeichnung für das höfische Orchester <i>pinpeat</i> erhalten.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das entsprechende thailändische Ensemble heißt <i><a href="Pi_Phat" title="Pi Phat">pi phat</a></i>. Eine kambodschanische Stabzither ist auch auf einem Flachrelief am <a href="Angkor_Wat" title="Angkor Wat">Angkor Wat</a> (Mitte 12. Jahrhundert) abgebildet, das eine Prozession mit Musikern zeigt.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die heute noch vereinzelt gespielte Stabzither <i><a href="Kse_diev" title="Kse diev">kse diev</a></i> ist das älteste kambodschanische Saiteninstrument.<sup id="cite_ref-Schwörer-Kohl_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-Schwörer-Kohl-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sie ist am nächsten mit der thailändischen <i>phin nam tao</i> verwandt und war möglicherweise deren Vorbild. Es gibt jedoch einen noch älteren Hinweis auf eine südostasiatische Stabzither in Thailand. Dies ist ein Terrakottarelief am buddhistischen Tempel der <a href="Dvaravati" title="Dvaravati">Dvaravati</a>-Kultur in <a href="Khu_Bua" title="Khu Bua">Khu Bua</a> aus dem 7. Jahrhundert, das eine Gruppe Musikerinnen zeigt.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Andere Stabzithern in Südostasien sind die <i>dunde, santung</i> und <i>falundo</i> in <a href="Sulawesi" title="Sulawesi">Sulawesi</a>, die <i>jungga</i> auf der ostindonesischen Insel <a href="Sumba_(Indonesien)" title="Sumba (Indonesien)">Sumba</a> und die <i>sulepe</i> auf der Insel <a href="Halmahera" title="Halmahera">Halmahera</a>.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Von Südostasien gelangte die Stabzither nach <a href="Madagaskar" title="Madagaskar">Madagaskar</a> und an die <a href="Ostafrika" title="Ostafrika">ostafrikanische</a> Küste. Die Ausbreitung der Stabzither von Indien und innerhalb Südostasiens über <a href="Vietnam" title="Vietnam">Vietnam</a> bis nach China folgte den seit Anfang des 1. Jahrtausends bekannten Seehandelsrouten.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In Zentralvietnam sind Stabzithern um das 11. Jahrhundert an <a href="Champa" title="Champa">Cham</a>-Tempeln abgebildet, gerieten später jedoch in Vergessenheit.
</p><p>Wann die einsaitige <i>phin nam tao</i> im Königreich Lanna ankam, ist nicht bekannt, ebenso wenig, wann sich aus ihr die mehrsaitige <i>phin phia</i> entwickelte. Die erste eindeutige Abbildung des mehrsaitigen Instruments ist eine Wandmalerei im <a href="Vihara" title="Vihara">Vihara</a> des <a href="Wat" title="Wat">Wat</a> Lai Hing Luang in <a href="Lampang" title="Lampang">Lampang</a>, die um 1800 datiert wird. Sie zeigt eine Episode mit Pancasikha, einem nur in der buddhistischen Mythologie vorkommenden <a href="Gandharva" title="Gandharva">Gandharva</a>. Pancasikha (in Thailand Panjasingkong) begleitet laut den <a href="Jataka" title="Jataka">Jatakas</a> den hinduistischen Gott <a href="Indra" title="Indra">Indra</a> bei dessen Besuch <a href="Siddhartha_Gautama" title="Siddhartha Gautama">Buddhas</a>. Die Harfe, die Pancasikha eigentlich spielen sollte, ist in der Abbildung durch eine viersaitige <i>phin phia</i> ersetzt. Das Motiv könnte über das buddhistische Dvaravati-Reich eingeführt worden sein. Dieses von den <a href="Mon" title="Mon">Mon</a> gegründete Reich bestand vom 6. bis zum 13. Jahrhundert und war am Seehandel in Südostasien beteiligt. Im 11. und 12. Jahrhundert reichte der kulturelle Einfluss von Dvaravati bis zum Mon-Reich <a href="Haripunjaya" title="Haripunjaya">Haripunjaya</a>, dem Vorläufer von Lanna. Unabhängig davon, ob die <i>phin phia</i> als Übernahme der verbreiteten Stabzither-Tradition oder nach Einschätzung einiger thailändischer Autoren wegen des relativ geringen hinduistischen Einflusses auf Lanna als eigenständige Entwicklung angesehen wird, sie stellt die ausgereifteste Form dieses Typs der asiatischen Stabzithern dar.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bauform">Bauform</h2></div>
<p>Bei einer Stabzither (auch Musikstab) dient ein gerader starrer Stab als Träger für eine oder mehrere, zwischen beiden Enden befestigte Saiten. Zur Klangverstärkung einer Stabzither wird stets ein Resonanzkörper benötigt, der mit dem Saitenträger fest in Kontakt steht. Die Stabzither und der <a href="Musikbogen" title="Musikbogen">Musikbogen</a>, bei dem die Saite über einen biegsamen und gebogenen Saitenträger gespannt ist, sind die beiden konstruktiv einfachsten und ältesten Saiteninstrumenttypen.
</p><p>Bei der einsaitigen <i>phin nam tao</i> verläuft die Saite aus Seide oder Messing über einen dünnen Holzstab, der an einem Ende nach oben gebogen ist. In der Nähe des gegenüberliegenden Endes ist unter dem Stab eine halbe Kalebasse als Resonanzkörper befestigt, was den Namensbestandteil <i>tao</i> („Kalebasse“) erklärt. Der Stab ist mit rund 80 Zentimetern ähnlich lang wie bei der <i>kse diev,</i> die Länge des von unten nach oben am Resonator-Ende durch den Stab gesteckten Wirbels beträgt 25 Zentimeter. Die Saite wird durch eine kurze Schnur (<i>rat awk</i>, „die Brust pressen“) an der Kontaktstelle der Kalebasse gegen den Stab gezogen. Die Schnur entspricht der Stimmschlinge beim Musikbogen, sie bestimmt die effektive Länge der schwingenden Saite und überträgt die Schwingungen an den Resonator. Heute werden überwiegend Gitarrensaiten und für die tiefste Saite (<i>pok</i>) die dickeren Messingsaiten des thailändischen <a href="Hackbrett" title="Hackbrett">Hackbrettes</a> <i>khim</i> aufgespannt. Seit den 1980er Jahren ersetzen diese Saiten allmählich die früher üblichen Saiten aus Darm, Pflanzenfasern oder Seide. Der Saitenträger besitzt kein Griffbrett und keine <a href="Bund_(Saiteninstrument)" title="Bund (Saiteninstrument)">Bünde</a>.
</p><p>Die Weiterentwicklung der einsaitigen <i>phin nam tao</i> ist die <i>phin phia</i> mit zwei bis fünf Saiten. Die Bedeutung des Wortes <i>phia</i> ist nicht ganz eindeutig. In der Lanna-Sprache bedeutet <i>phia</i> „zeigen“ (beispielsweise <i>phia hai du</i>, „jemand etwas zeigen“) und in diesem Fall wahrscheinlich genauer „etwas vorzeigen“, vielleicht, weil die jungen Männer ihre schönen entblößten Oberkörper zeigend vor die Mädchen treten. Den Instrumentennamen <i>phin phia</i> erwähnt der am Hof des Königs <a href="Narai" title="Narai">Narai</a> (reg. 1656–1688) in Ayutthaya lebende Dichter Sri Prach in Versen, die von abendlichen Ständchen handeln.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die <i>phin phia</i> ist mit etwas über einem Meter Länge größer und besitzt 18 Zentimeter lange Stimmwirbel, die in der Nähe des Resonators nach unten ragen.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das gebogene Ende (<i>hua phia,</i> „<i>phia</i>-Kopf“) des Saitenträgers besteht häufig aus einem Bronzeguss in der Form eines abstrahierten Elefantenkopfes. Ein solches aufwendig gearbeitetes Ende fehlt normalerweise bei der <i>phin nam tao</i>. Ein weiterer Unterschied ist der Resonator. Anstelle der großen Kalebassenhälfte, die direkt mit dem Saitenträger verbunden ist, besitzt die <i>phin phia</i> eine kleinere Kokosnusshalbschale, die über einen Holzdübel als Zwischenstück am Saitenträger angebracht ist. Offensichtlich war das Ziel dieser Änderung ein noch leiserer intimerer Klang. Dies könnte bedeuten, dass die <i>phin nam tao</i> ursprünglich in der höfischen Kammermusik vor einem Publikum verwendet wurde und die leisere <i>phin phia</i> ausschließlich dem privaten Gebrauch dienen sollte. Die meisten Liedersänger fertigten ihr Instrument mit viel Sorgfalt selbst und schnitzten auch die Gussform für das gebogene Ende (<i>hua phia</i>), die sie dann für den Guss zu einem Schmied brachten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spielweise">Spielweise</h2></div>

<p>Der Musiker hält den Resonator mit der Öffnung dicht an seine Brust und kann, indem er den Abstand zu seinem entblößten Oberkörper verändert, Klang, Tonhöhe und Lautstärke des Instruments beeinflussen. Charakteristisch ist ein nachklingender <a href="Wah-Wah" title="Wah-Wah">Wah-Wah</a>-Effekt. Eine solche Klangmodulation kommt, außer bei den thailändischen und kambodschanischen Stabzithern und deren indischem Vorbild auch bei einigen afrikanischen Musikbögen und <a href="Lamellophon" title="Lamellophon">Lamellophonen</a> sowie der kamerunischen Stegzither <i><a href="Mvet" title="Mvet">mvet</a></i> vor. Die Saite der <i>phin nam tao</i> zupft der Spieler mit einem Finger der rechten Hand am gekrümmten Ende des Stabes, während er sie mit vier Fingerkuppen der linken Hand in der Nähe der Kalebasse verkürzt. Bei der <i>phin phia</i> zupft der Spieler mit dem Ringfinger der rechten Hand zusätzlich die äußeren Saiten, die durch eine Schnurschlinge üblicherweise auf eine Oktave über dem Grundton verkürzt werden. Diese Spieltechnik heißt <i>jok</i>. Der Ringfinger und kleine Finger der linken Hand zupfen in der <i>kon sai</i> genannten Spieltechnik die äußeren Saiten am Resonator-Ende.
</p><p>Die Verbreitungsregion der thailändischen Stabzithern umfasst das ehemalige Königreich <a href="Lan_Na" title="Lan Na">Lanna</a> mit der Hauptstadt <a href="Chiang_Mai" title="Chiang Mai">Chiang Mai</a>, das vom 13. Jahrhundert bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts unabhängig existierte und später unter der Oberherrschaft birmesischer und <a href="Thai_(Ethnie)" title="Thai (Ethnie)">siamesischer</a> Dynastien stand. Die <i>phin phia</i> gehört zur Musik der <a href="Tai_Yuan" title="Tai Yuan">Tai Yuan</a>, der Mehrheitsbevölkerung in Nordthailand, und eher nicht zu den dortigen Minderheitsvölkern, wobei einige alte Bronzeköpfe, die in der Grenzregion zu <a href="Myanmar" title="Myanmar">Myanmar</a> gefunden wurden, darauf hinweisen, dass sie auch dort gespielt wurde.
</p><p>Der sehr leise, feine Ton der <i>phin phia</i> eignet sich nur für den solistischen Vortrag und zur Gesangsbegleitung. Sie wurde von Männern in Nordthailand überwiegend im Stehen oder Gehen zur Begleitung von Liebeswerbeliedern eingesetzt. Der leise Ton sollte idealerweise nur eine Zuhörerin erreichen. Diese Liedgattung heißt in Nordthailand <i>joi</i>. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war es Brauch, dass der Mann zur Brautwerbung seine Geliebte in ihrem Haus besuchte und dort mit ihr in einen rituellen poetischen Dialog namens <i>aeo sao</i> trat. Die knappen Verse konnten ernsthaft oder schlüpfrig sein. In Nordthailand sind mehrere Formen des Schlagabtausches zwischen Mann und Frau als <i>saw</i> bekannt. Andere Bezeichnungen neben <i>joi</i> für diese Art von Versen sind <i>saw siang yao</i> („<i>saw</i> mit <a href="Melisma" title="Melisma">Melismen</a>“) und <i>ram lam nam</i> („eine Geschichte mit Tanz singen“). Die drei üblichen Melodien sind reicher ausgeschmückt als bei anderen Formen des <i>saw. Joi</i> kann unbegleitet vorgetragen werden. Anstelle der früheren Begleitung durch eine <i>phin phia</i> traten später die gezupfte Langhalslaute <i><a href="Sueng" title="Sueng">süng</a></i> oder die Stachelfiedel <i>salaw</i> (zwei- bis dreisaitige Variante der <i><a href="Sor_U" title="Sor U">sor u</a></i> in Nordthailand).
</p><p>Einer der letzten bekannten <i>phin nam tao</i>-Spieler, der 2000 verstorbene Kamol Katsiri, erhielt in den 1960er Jahren Auftrittsverbot, weil er mit entblößtem Oberkörper spielte, was von der Regierung als anstößig untersagt wurde. In der Mitte des 20. Jahrhunderts galt die <i>phin phia</i> als rückständig und primitiv. Für den Niedergang der Stabzithern kam hinzu, dass die traditionellen nordthailändischen Musikstile ab den 1980er Jahren insgesamt selten zu hören waren, weil sie im Ruf standen, bloß noch die Sache alter und armer Leute zu sein. Außerdem wurde der Brauch der Brautwerbung aufgegeben. Als modern gelten dagegen die von westlicher Popmusik beeinflussten Stile wie <i><a href="Luk_Thung" title="Luk Thung">luk thung</a></i>, die als <i>phleng Thai sakon</i> (etwa „internationaler Thai-Pop“) zusammengefasst werden. Mit diesem Trend geht auch der Rückgang der nordthailändischen Sprache, <a href="Lanna_(Sprache)" title="Lanna (Sprache)">Lanna</a> einher. Die früher mündlich überlieferten Verse werden heute nicht in der regionalen <a href="Lanna_(Schrift)" title="Lanna (Schrift)">Lanna-Schrift</a>, sondern auf <a href="Thail%C3%A4ndische_Schrift" title="Thailändische Schrift">Thailändisch</a> festgehalten.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ab der Jahrtausendwende ist wieder eine steigende Wertschätzung feststellbar. Das traditionelle Instrument für die „Musik des Herzens“ wird seither auf eine nostalgische Art als typisch männliches Attribut betrachtet und entsprechend auf Postkarten abgebildet. Das Repertoire für die <i>phin phia</i> wird heute von den bekannteren nordthailändischen Ensembles mit den Lauteninstrumenten <i>süng</i> und <i>salaw</i> und der Flöte <i><a href="Khlui" title="Khlui">khlui</a></i> übernommen. Es gibt allgemeinbildende Schulen in Nordthailand, an denen Lanna-Musik einschließlich <i>phin phia</i> unterrichtet wird. Ab Anfang der 1990er Jahre formierten sich Ensembles, in denen zwei <i>phin phia</i> mit <i>süng, salaw, khlui,</i> <a href="Gong" title="Gong">Gongs</a> und Trommeln zusammenspielen. Einige Musiker spielen eine experimentell entwickelte <i>phin phia</i> mit sieben Saiten und verwenden bisher unübliche Spieltechniken, die aus der westlichen Musizierpraxis stammen.
</p><p>Mit der Wiederbelebung der <i>phin phia</i> hängt die allgemeine nostalgische Rückbesinnung auf die traditionelle Lanna-Kultur zusammen, die entsprechend für den nationalen und internationalen Tourismus vermarktet wird. Konzerte mit einem Repertoire aus alten einheimischen, zentralthailändischen, und neu komponierten Melodien in Verbindung mit Bühnenshowelementen lassen sich in der Summe als <a href="Erfundene_Tradition" title="Erfundene Tradition">erfundene Tradition</a> einer Folklore kritisieren, ungeachtet der sehr langen tatsächlichen Geschichte der Stabzithern.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Andrew McGraw: <i>The Pia's Subtle Sustain: Contemporary Ethnic Identity and the Revitalization of the Lanna “Heart Harp”.</i> In: <i>Asian Music.</i> Band 38, Nr. 2, Sommer–Herbst 2007, S. 115–142.</li>
<li>Terry E. Miller: <i>Thailand.</i> In: Terry E. Miller, Sean Williams (Hrsg.): <i>Garland Encyclopedia of World Music.</i> Band 4: <i>Southeast Asia.</i> Routledge, London 1998, S. 218–334.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=CfpAjdn_5jQ">พิณเพี้ย พิณเปี๊ยะ พิณเปียะ</a> Youtube-Video</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=Lxvvhg4yKSc">ธรรมสรณ์น้อย พิณเพี๊ยะ 2 (สอนฟรี)</a> Youtube-Video</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=WHJfEvuJ1dc">บรรเลงพิณเปี๊ยะ เพลงกล่อมนางนอน</a> Youtube-Video</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<div class="mw-references-wrap mw-references-columns"><ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Monika_Zin" title="Monika Zin">Monika Zin</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.indologie.uni-muenchen.de/personen/2_professoren/zin/publ_zin/zin_2004_vinas.pdf"><i>Die altindischen vīṇās.</i></a> In: Ellen Hickmann, Ricardo Eichmann (Hrsg.): <i>Studien zur Musikarchäologie IV. Musikarchäologische Quellengruppen: Bodenurkunden, mündliche Überlieferung, Aufzeichnung.</i> Vorträge des 3. Symposiums der Internationalen Studiengruppe Musikarchäologie im Kloster Michaelstein, 9.–16. Juni 2002, S. 321–362, hier S. 333.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Walter_Kaufmann_(Komponist)" title="Walter Kaufmann (Komponist)">Walter Kaufmann</a>: <i><a href="Musikgeschichte_in_Bildern" title="Musikgeschichte in Bildern">Musikgeschichte in Bildern</a>.</i> Band 2: <i>Musik des Altertums.</i> Lieferung 8: <i>Altindien.</i> Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1981, S. 180.</span>
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<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">David Morton: <i>The Traditional Music of Thailand.</i> University of California Press, Berkeley 1976, S. 91&nbsp;f.</span>
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<li id="cite_note-Schwörer-Kohl-4"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Schwörer-Kohl_4-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Schwörer-Kohl_4-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Gretel Schwörer-Kohl: <i>Thailand, Laos, Kambodscha.</i> In: <a href="Ludwig_Finscher" title="Ludwig Finscher">Ludwig Finscher</a> (Hrsg.): <i><a href="Die_Musik_in_Geschichte_und_Gegenwart" title="Die Musik in Geschichte und Gegenwart">Die Musik in Geschichte und Gegenwart</a></i>. Sachteil 9, 1998, Sp. 502.</span>
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<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">David Morton: <i>The Traditional Music of Thailand.</i> University of California Press, Berkeley 1976, S. 5.</span>
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<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Roger Blench: <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


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/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20230315033045/http://www.rogerblench.info/Archaeology/Africa/AAR%20paper%20Indian%20Ocean.pdf"><i>Using diverse sources of evidence for reconstructing the prehistory of musical exchanges in the Indian Ocean and their broader significance for cultural prehistory.</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 15. März 2023 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) Draft, 1. November 2012, S. 6.</span>
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<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Andrew McGraw: <i>The Pia's Subtle Sustain,</i> 2007, S. 121&nbsp;f.</span>
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<li id="cite_note-11"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-11">↑</a></span> <span class="reference-text">Andrew McGraw: <i>The Pia's Subtle Sustain,</i> 2007, S. 122&nbsp;f.</span>
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<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text">Terry E. Miller: <i>Thailand.</i> In: <i>Garland Encyclopedia of World Music.</i> 1998, S. 313, 315.</span>
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</ol></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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